Die Corona-Pandemie lässt Arbeitnehmer virtuell näher zusammenrücken. Da persönliche Treffen zuletzt nur selten möglich waren, erlebte die Video-Telefonie ihren Einzug in die eigenen vier Wände der Mitarbeitenden. Das brachte aber nicht nur Vorteile mit sich. Kann ein Tag ohne Meeting dem viel zitierten „Meetingwahnsinn“ entgegenwirken?

Während der letzten zwei Jahre sind einige Studien zu der Veränderung der Meetingkultur veröffentlicht worden. Die Ergebnisse dazu lassen aufhorchen, denn Gesundheit und Produktivität können gleichermaßen leiden.

Meeting-Fatigue und Zeitverschwendung

Bei Meeting-Fatigue oder Zoom-Fatigue geht es um gesundheitliche Belastungen, die durch anhaltende Arbeit am Bildschirm entstehen. Häufig nennen Studien ein reduziertes Konzentrationsvermögen, Ungeduld und die namensgebende Erschöpfung als Symptome dafür.

Daneben bewerten Mitarbeitende eine zu hohe Zahl an Meetings als Produktivitätsbremse. Diese Einschätzung teilen nicht zuletzt Führungskräfte. Im Rahmen einer Studie der Harvard Business School gaben 71% der Befragten an, dass sie Besprechungen für unproduktiv und ineffizient halten. Bei 65% der Führungskräfte gerieten die eigentlichen Aufgaben durch Meetings in den Hintergrund.

Tag ohne Meeting als Lösung?

Das Phänomen scheint kein Einzelfall in Organisationen zu sein. Zuletzt verkündete der Softwarekonzern SAP die Einführung eines Fokus Fridays. In einer Mitteilung, die eine hohe Resonanz bei den Medien erhielt, schrieb Personalchef Cawa Younosi zu den Hintergründen für diesen Schritt: „Wir durchlaufen die Arbeitswoche in Höchstgeschwindigkeit; was aber auf der Strecke bleibt, ist die Möglichkeit, intensiv an Dingen zu arbeiten, Neues zu lernen oder in einer Mittagspause durchzuatmen.“ In Konsequenz soll es bei SAP ab Mitte Mai konferenzfreie Freitage geben, um den Mitarbeitenden mehr ungestörte Arbeit mit Konzentration auf das Wesentliche einzuräumen.

Reaktionen mit positivem Tenor

Die Reaktionen auf diese Meldung fallen auf sozialen Medien wie LinkedIn grundlegend positiv aus. Dennoch verweisen viele Kommentare auf vergleichbare, etablierte Modelle in anderen Organisationen. Es drängt sich beim Lesen doch immer wieder die Frage auf: Welchen Stellenwert oder Auswirkungen haben Meetings eigentlich auf den gesamten Ablauf des Arbeitstages? Wenn Meetings wie weiter oben beschrieben verstärkt negative Effekte haben, ist es fraglich, ob ein Tag ohne Meeting dieses Problem innerhalb der Organisation dauerhaft löst. Vielmehr gilt es doch, die Meetingkultur und damit die verbundene Kommunikation auf den Prüfstand zu stellen. Drei einfache Maßnahmen, die eine Verbesserung (nicht nur virtuell) mit sich bringen könnten, sind:

  • Teilnehmerzahl so geringhalten wie möglich
  • Nutzung des Kamerabilds auf freiwilliger Basis
  • Länge von Konferenzen begrenzen

Schließlich sind Meetings immer auch eine Form des Miteinanders. Wenn das Miteinander generell gelingt, steht produktiven Meetings nichts mehr im Weg – sonst könnte aus dem Focus Friday schnell der Meeting Monday werden.