New Work ist ein Begriff, der sich in den Schlagzeilen festgesetzt hat. Ähnliches gilt für Agilität. Darüber hinaus teilen beide eine weitere Eigenschaft: Jeder scheint etwas anderes unter ihnen zu verstehen. Das New-Work-Barometer 2022 (NWB) geht diesem Phänomen auf den Grund.

Frithjof Bergmann (1930-2021) legte bereits in den 1970er-Jahren das theoretische Fundament der „New-Work“-Bewegung, bei der es um eine Umgestaltung der bisherigen Arbeitswelt ging. Diese Ansätze spielen im Verständnis von New Work heutzutage allerdings eine untergeordnete Rolle.

New Work mal vier

Im Zuge der Erhebung für das New-Work-Barometer wurden vier unterschiedliche Verständnisse von New Work abgefragt:

 • Frithjof Bergmann: „New Work hat das Ziel, das gegenwärtige Lohnsystem zu überwinden. Menschen sollen der Arbeit nachgehen, die sie wirklich, wirklich wollen und mit technologischer Unterstützung Produkte selbst herstellen, die sie zum täglichen Leben brauchen.“

New Work Charta: „Jenseits isolierter Maßnahmen und Einzelmethoden konzentriert sich die Essenz von New Work in fünf Prinzipien, die sich im unternehmerischen Alltag widerspiegeln: Freiheit, Selbstverantwortung, Sinn, Entwicklung und soziale Verantwortung.“

Psychologisches Empowerment: „New Work sind verschiedene Maßnahmen, die die Zielsetzung haben, das psychologische Empowerment der Mitarbeitenden zu steigern; das heißt das Erleben von Sinnhaftigkeit, Selbstbestimmung, Einfluss und Kompetenz am Arbeitsplatz.“

Arbeitszeit- und Arbeitsortautonomie: „New Work beinhaltet vor allem Initiativen, die Arbeitsort- und Arbeitszeitautonomie in Organisationen fördern. Durch New Work wird mobiles Arbeiten und Homeoffice in Organisationen ermöglicht.“

Tatsächlich gaben nur die wenigsten der 581 Unternehmensvertreter aus Deutschland an, den Begriff mit Bergmanns Theorien zu verbinden. Demgegenüber herrscht eine hohe Übereinstimmung mit den Inhalten des psychologischen Empowerments.

New Work und Praktiken

Das New-Work-Barometer hält zudem die Praktiken sowie Methoden fest, die Menschen mit New Work verbinden. Generell stieg der Einsatz von „New-Work-Methoden“ in diesem Jahr an, nachdem im Vorjahr ein Rückgang festgestellt wurde. Dieser Rückgang ist in den unterschiedlichen Maßnahmen zur Bekämpfung von Covid begründet. Tatsächlich stieg der Einsatz bei 23 der insgesamt 30 abgefragten Methoden wieder an. Besonders deutlich waren die Steigerungsraten bei New Pay sowie zukunftsfähigen, offenen Bürokonzepten.

Agilität gehört dazu

Wenn es um Agilität geht, gibt es ebenfalls unterschiedliche Verständnisse. Sie wird aber mehrheitlich als Teil von New Work betrachtet. Gleichzeitig ist Agilität als Thema noch lange kein Schnee von gestern. 63,7% der Befragten gab an, dass es Unternehmen ohne die Umsetzung von agilen Prinzipien und Methoden künftig schwieriger haben werden.

Der Einsatz agiler Methoden ist eng mit den wirtschaftlichen Zielen der Organisation verknüpft. Durch sie sollen vor allem Leistung und Innovationskraft von Mitarbeitenden gesteigert werden. Psychologische Ziele, im Sinne des eingangs erwähnten psychologischen Empowerments, nehmen lediglich eine untergeordnete Rolle ein. Vielleicht bietet sich hier ein Punkt, um agile Methoden als sinnbringender Treiber von New Work einzubringen. Die Zukunft der Arbeit bleibt, genauso wie zentrale Begriffe in diesem Kontext, in jedem Fall offen.

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